Posts mit dem Label Lesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. November 2013

Jeden Tag ein Buch: Das Gemüse Kochbuch - Matt Wilkinson (DK)

Da heute schon der letzte Tag der "jeden-Tag-ein-Buch"-Aktion von Arthurs Tochter ist, stelle ich noch das zweite Gemüsekochbuch vor, was ich aus der Bibliothek ausgeliehen habe.
Es handelt sich um Matt Wilkinsons schönes Gemüse Kochbuch (Rezepte für alle Jahreszeiten), letztes Jahr bei Dorling Kindersley erschienen. So schauts aus:

Bildrechte: DK
In meinem letzten Post habe ich ja schon dargelegt, welche drei Kriterien (momentan) ein Kochbuch erfüllen muss, dass ich es mit nach Hause nehmen möchte: Schöne Fotos, unkomplizierte Rezepte und eine nette Aufmachung. So einfach ist das. 

In diesem Buch sind die Rezepte nicht direkt nach Jahreszeiten sortiert, sondern nach einem Gemüse (was eigentlich ähnlich ist, denn alle Kürbisgerichte wären auch in einem Jahreszeitenkochbuch unter Herbst zu finden). Ein wenig verwirrend ist die Reihenfolge, in der die Gemüse angeordnet sind. Zunächst dachte ich, sie sind nach Jahreszeit sortiert (deshalb auch der Titel), aber Tomaten sind das vorletzte Kapitel, während Brokkoli und Rosenkohl ziemlich am Anfang sind. Ich glaube mittlerweile herausgefunden zu haben, was dahintersteckt: Im englische Original war das Gemüse alphabetisch angeordnet (denn dann wird aus dem ersten Gemüse Spargel, plötzlich Asparagus und aus dem Rosenkohl werden Brussel Spouts). Das ist allerdings auf Deutsch ein wenig hinderlich. Ich hätte es -auch im Hinblick auf Übersetzungen- für die schlauere Variante gehalten, nach Jahreszeiten zu ordnen. Dafür gäbe einen Minuspunkt, würde ich Punkte vergeben.

Bevor er pro Kapitel zu den Rezepten selbst kommt, stellt Matt Wilkinson das Gemüse auf einer Doppelseite informativ vor. Schon dort sind viele hilfreiche Tipps zu Handhabung, Lagerung und Verarbeitung nachzulesen. Die Rezepte an sich, immer drei pro Gemüsesorte, präsentieren sich dann sehr ansprechend und übersichtlich (meist) auf einer Doppelseite, jeweils mit einem schönen Foto. Überhaupt wirken die Fotos so, als hätte sie jemand kurz vor dem Essen geschossen. Sehr lebensecht, manchmal aber ein bisschen zu dunkel. Dennoch: man sieht förmlich schon die Gabel, die sogleich den Gurkensalat mit Quinoa, Weizen und Kräutern (Kapitel Gurken, S.132) aufspießen wird. Oder  auch wunderbar, ein bunter Möhrensalat mit Joghurt und Mandel-Honig-Dressing (Kapitel Möhren, S.98):

Bildrechte: DK
Die Rezepte sind mal mehr, mal weniger aufwändig, oft enthalten sie einen kleinen Kniff, der auch mal die ein oder andere besondere Zutat verlangt. 
Dass der Autor Brite ist, ist deutlich spürbar. Viele Rezepte sind direkte oder indirekte Klassiker der britischen Küche.
Trotzdem ist meiner Meinung nach die Mischung in diesem Buch perfekt, denn es bietet ohne Zweifel etwas für jeden: 
Wer etwas einfaches will, findet es (z.B. Baked Beans, Kapitel Bohnen und Erbsten, S.28),
wer etwas ausgefallenes sucht, findet es (z.B. Püree aus grünem Knoblauch mit pochiertem Ei und gegrillter OchsenzungeKapitel Knoblauch, S.165)
wer für Kinder kocht, wird fündig (z.B. Kürbis-Joghurt-Pürree, Kapitel Kürbis, S.253)
wer im Rezept gerne eine Alternative hätte, bekommt sie (z.B. Gebackener Fenchel mit oder ohne Sardellen, Kapitel Fenchel, S.150), 
wer etwas backen möchte, wird ebensowenig enttäuscht (z.B. Nonna Leahs Maisbrot, Kapitel Mais, S.120) 
wie die Person, die etwas zum Mitbringen aus der Küche sucht (z.B. Meerrettich-Estragon-Senf, Kapitel Meerrettich, S.15). 
Sogar die Fleischesser werden bedacht, denn es handelt sich keineswegs um ein rein vegetarisches Buch (z.B. gebratene Frühlingszwiebeln mit Krustenbraten Kapitel Zwiebeln, S.212). Matt Wilkinson zeigt lediglich auf, dass man ein Gericht nicht zwangsläufig rund ums Fleisch planen muss, sondern dass es auch umgekehrt geht. Ein sehr erfrischender Ansatz, der sicherlich als große Rettung kommt, wenn Vegetarier und Fleischesser sich Pfanne und Esstisch teilen müssen/wollen/dürfen. 
Auch dieses Buch hat, wie das zuletzt vorgestellte, ein Kapitel in der Basics behandelt werden. Auch hier findet man viele tolle Dinge: Tomaten räuchern oder Mandel-Orangen-Brösel beispielsweise.

Trotz des etwas alternativen Äußeren ein wahres Allroundtalent: Wärmste Empfehlung!

Bildrechte: DK


Noch einmal einen großen Dank an Astrid für die Aktion, ohne die ich meinen Bloggerhintern sicher nicht so schnell wieder hinter die Tastatur geklemmt hätte!



Montag, 11. November 2013

Jeden Tag ein Buch: "Gemüse essen" von Simon Bryant (Umschau)

Gerade habe ich bei Julianes Blog Schöner Tag noch! von der Aktion Jeden Tag ein Buch von Arthurs Tochter gelesen und mich spontan entschlossen mitzumachen, schließlich habe ich momentan wieder einige gemüselastige Kochbücher hier herumliegen. Und Freude soll man ja schliesslich teilen. Also los!


Ich habe mich zunächst entschieden, Gemüse essen von Simon Bryant vorzustellen, erschienen 2013 bei Umschau. Ist das Cover nicht schön?!

Bildrechte: Umschau Verlag
Ich habe bei mir selbst in letzter Zeit festgestellt, dass ich von einem Kochbuch drei Dinge erwarte, sonst kann ich damit nichts anfangen. Es muss
  • mich überraschen, z.B. durch seine aussergewöhnliche Aufmachung,
  • unkomplizierte, leichte Rezepte und
  • schöne, ansprechende Bilder haben.

Auf diese Dinge hin werde ich also das gerade genannte Buch untersuchen. 

Zurück also zu den schönen lila Rüben von Herrn Bryant. Das Buch kommt wohltuend geerdet und unaufgeregt daher. Pro Doppelseite bietet es i.d.R. ein Rezept. Die Bilder sind wirklich sehr, sehr ansprechend, wirken authentisch und nicht so durchgestylt. (Ganz wichtig, damit man keine Angst hat es nachzukochen.)

Ein perfektes Herbstgericht: Rote-Bete-Carpaccio
mit Steinpilzpüree (S. 114) Bildrechte Umschau
Das Buch ist eingeteilt nach den vier Jahreszeiten, ein Konzept was ich sehr mag, findet man doch so immer gleich saisonale Rezepte aus seiner Auswahl von 120. 120 Rezepte in einem Buch finde ich absolut ausreichend. Wird es mehr, verliert man den Überblick. 

Walnusskuchen mit Honigsirup
 (Herbstrezept S. 164) Bildrechte Umschau

Ich hatte das Buch beim Ausleihen in der Bibliothek nur kurz durchgeblättert. Umso überraschter war ich nun, als ich mir die Rezepte mal ein wenig genauer angeschaut habe. Viele Rezepte sind mir zu aufwändig. Ich habe ein Kleinkind und arbeite, da bleibt mir wenig Zeit, ausgefallene, wenn auch toll anmutende Rezepte zu kochen. Ebenfalls habe ich nicht viele dieser Zutaten im Haus was eigentlich überraschend ist, denn ich betrachte die Palette der in unserer Küche verwendeten Lebensmittel als sehr weit. Was mich besonders abschreckt sind zweiseitige Rezepte. Da verliere ich einfach schon den Mut, denn das KANN nicht schnell gehen. Leider stehen auch keine Angaben zur Zubereitungszeit da - auch das wenig Alltagstauglich.

Trotzdem sind die Rezepte per se toll, keine Frage! Es wäre das perfekte Kochbuch um ein fulminantes vegetatisches Abendmenü für Freunde zu kochen. Aber für Abends mal kurz zwischendurch eignet es sich weniger, leider. Toll finde ich auch die Grundrezepte, die am Ende ein eigenes Kapitel einnehmen: Chapatas, Harissa oder Mango-Chili-Chutney, Chili-Erdnuss-Sauce oder eingelegte Kirschen werden da präsentiert. 

Es gibt ein paar Rezepte, welche ich sicherlich ausprobieren werde, das Kaffee-Kakao-Müsli mit Zimt und Vanille gehört auf jeden Fall dazu, ebenso wie die Sesam-Tahini-Puffreisriegel mit dunkler Schokolade. Aber das sind eben keine Alltagsrezepte sondern Sonderschmankerln, die ich mache wenn ich mal Zeit habe. 

Zusammenfassung:
Das Kochbuch Gemüse essen von Simon Bryant 
  • ist überraschend: Ja, eine wunderbare Aufmachung.
  • bietet leichte und unkomplizierte Rezepte: Leider nicht wirklich, trotzdem sind die Rezepte sehr ansprechend. Wenn man die Zeit, Zutaten und Muße hat ein Traum.
  • zeigt schöne Fotos: sehr ansprechende und lebensechte Abbildungen, auf jeden Fall!
Also allen, die sich etwas gönnen möchten sei dieses Buch, ein echtes Genussbuch, wirklich wärmstens ans Herz gelegt!

Freitag, 25. Oktober 2013

Erzählende Wundersteine (DIY)

Manche Projekte sind nie restlos abgeschlossen. So wie dieses hier, aber das ist auch gut so: Es geht um Erzählsteine. 
Jedes, und ich meine wirklich JEDES Kind sollte einen Satz Erzählsteine haben. Es müssen nicht drei Dutzend sein. Eine Handvoll reicht. Und ab und zu kommen ein paar neue dazu, werden getauscht, gefunden oder verloren. 
Erzählsteine sind toll, weil sie haptisch erlebbar sind. Sie liegen schwer in der Hand, sie sind kühl, -fast- unkaputtbar. Sie können gestapelt und (um)geworfen werden, rumgetragen, hin- und umgelegt, umgedreht und vorgezeigt werden. Sie können alleine oder mit einer Klasse bespielt werden. 

Pferdchen, erzähl mir was! 
Sie regen die Phantasie nicht an, denn davon haben Kinder wahrlich mehr als genug. Sie kanalisieren die Phantasie, sie helfen, Phantasie raus zu lassen, aus dem großen Gewirr eine (kleine?) Geschichte zu machen. Sie helfen beim Erzählen, geben eine Richtung vor und machen dann doch wieder jede unerwartete Wendung mit. Sie fördern das Spielen, die Kreativität, den Wortschatz, das Sprechen, Erzählen, sie machen Sinn und Unsinn und noch so vieles mehr. 
Erzählen ist eines der fundamentalsten Kommunikationsmethoden des Menschen. Lange bevor gemalt, geschrieben, gemorst, gesimst, getwittert oder gar gebloggt wurde, wurde schon erzählt. Von Jung und Alt, wahr oder erfunden, ums Feuer oder das erlegte Mammut sitzend, solange es Kommunikation gibt, gibt es Erzählungen.

Wer fliegt mit dem Flugzeug? Wohin? Warum? Mit wem? 
Und das Beste ist: Man kann sie ganz famos im Urlaub erschaffen. Sofern man an einem See- oder Meeresufer mit Steinen urlaubt. Dann sucht man sich schöne, möglichst flache Steine, die gut in Kinderhände passen. Zuhause angekommen sucht man sich aus Werbung, Katalogen, dem Internet, der eigenen Imagination, Bilder und bringt diese auf den Stein. Ich habe die Bilder aus einem Einrichtungskatalog herausgesucht und dann zu jedem Bild den passenden Stein oder auch zu jedem Stein das passende Bild gesucht. (Das hat etwas sehr Meditatives an sich.) Dann habe ich die Bilder mit Spezialkleister auf den Stein gepinselt und trocknen gelassen. Eigenlicht hätte ich gedacht, dass das reicht. Aber das Kind hat die Steine heftigst bespielt und tolle Stories in ihrer eigenen, mir nicht geläufigen Sprache erzählt, dass sie sich schon bald etwas abgenutzt wiederfanden. Man hätte also von vorneherein noch eine schützende Schicht Klarlack drüberpinseln sollen. Da Mama sowas aber in ihrem gigantomanischen Bastelvorrat nicht hat (tss-tss-tss) hat sie ganz schnöde durchsichtigen Nagellack genommen. Tuts genauso. Und nun glänzen sie wie neu. Wer gut malen kann kann die Steine natürlich auch gleich selbst mit phantasievollen Bildern bemalen. Ich bin mehr der Copy-paste-Typ, aber das ist völlig ok. Geliebt und im selbstgenähten Säckchen herumgeschleppt, werden sie trotzdem. 

Erzählsteine, erster Satz. 

Und warten schon auf viele viele weitere, tolle neue Geschichten, die noch nicht erzählt wurden.

Freitag, 5. Juli 2013

Ein Kind singt auf dem Schulweg

Illustration: Sybille Hein 


Wenn die Pferde auf den Blüten 
sitzen und dort Eier brüten, 
wenn vor lauter dicken Dackeln 
alle Pflastersteine wackeln, 
wenn der Pfarrer, ganz erledigt, 
in der Badehose predigt, 
wenn an heißen Wintertagen 
Purzelbäume Äpfel tragen, 
wenn Frau Schmidt das Meer verschluckt 
und ins Goldfischgläschen spuckt, 
wenn es einen Schneefrosch gibt, 
eine Maus, die Katzen liebt, 
einen Lift im Schneckenhaus – 
dann erst fällt die Schule aus! 
          
-Georg Bydlinski-

Oder wenn die Sommerferien anfangen, so wie heute bei uns. 
:-)
(Allen, die es verdient haben, wünsche ich auf diesem Weg schöne und erholsame Ferien.)




Samstag, 1. Juni 2013

Monatsrückblick Mai 2013


Meine Wochenendlektüre...
(ich muss weg!)
Gelesen: Haaaa, ich hab mir aus der Bibliothek Dan Browns Inferno mitgenommen, noch bevor es für die Schule bereitsteht...(pschtt, nicht verraten, das ist natürlich höchst Benutzerfeindlich!!) jetzt heisst es schnell sein...
Gesungen: ich hatte über eine Woche lang ein Mops kam in die Küche als Ohrwurm
Gehört: Ein Mops kam in die Küche (gesungen u.A. von mir selbst)
Gesehen: Season-Finales von Glee, Greys Anatomy, Big Bang Theory und Castle (ausser letztgenanntem alles enttäuschend...)
Getrunken: Gin-Gingerale und dabei tatsächlich leichte Sommergefühle gekriegt (vielleicht war ich aber auch einfach nur beduselt...)
Gegessen: leckerste Lauch-Linsen-Quiche nach einem römischen (!) Rezept
Gekocht: Spargeln, what else?! 
Gefreut: Alte Freunde in Remscheid, Trier und Antwerpen wieder zu treffen
Getrauert: über eine Flasche Martini d'Oro, die mir beim Kofferraum aufmachen auf der Straße zerschellt ist
Gelacht: Mit vielen lieben und lustigen Menschen in Antwerpen
Geärgert: Krank und Elend die Fortbildung zu verpassen, auf die ich mich seit einem 3/4 Jahr gefreut habe
Genäht: nüscht
Gestrickt: nein, nein, nein
Gekauft: Hatte eine verrückte Kartenkaufattacke, bin jetzt ausgerüstet für fast jede Gelegenheit...
Gespielt: Wir haben seit neuestem Duplo-Steine...
Gefeiert: seit 18 Monaten Mutter der weltbesten Tochter sein zu dürfen
Gefühlt: Dankbarkeit darüber, so gute Freunde zu haben, die einen in der Not aufnehmen.
Geknippst: Antwerpen, was für eine hübsche Stadt!

Mehr Monatsrückblicke gibt es wie immer bei Schäfchens Sandsack!

Dienstag, 28. Mai 2013

Zorgamazoo: Reim Dich oder ich fress Dich!

Achtung! Die Autorin dieses Blogs benutzt im folgenden Post eine unsäglich anstrengende Anzahl von Superlativen. Aber sie kann nicht anders.


Es ist ein bisschen wie in einem Traum: Die einzelnen Elemente kennt man schon, aber sie sind ganz anders zusammengefügt. Vertrautes irgendwie fremd, Fremdes dann doch so vertraut. Ein bisschen Harry Potter, ein bisschen Goldener Kompass, eine Prise Monster AG, ein Quäntchen Gebrüder Grimm und Reckless und noch so viel mehr...



Da gibts ein wunderbares Buch, was ich Euch heute vorstellen muss. Ja, ich verwende tatsächlich muss, denn dieser kleine Schatz, der da so zunächst unverständlich daherkommt (man kann nichtmal den Titel richtig lesen) ist etwas vom Besten, was ich je hatte. Und ich werde es dieses Jahr zuhauf verschenken, an alt und jung, dick und doof, schlau und schlauer...

Bildrechte: Jacoby & Stuart

Der Titel: Zorgamazoo. Der Autor: Robert Paul Weston im Original, die absolut kongeniale Übersetzung ins Deutsche stammt von Uwe-Michael Gutzschhahn. Dieses Buch stürzt mich in ein Dilemma, welches ich so noch nie hatte: Original oder Übersetzung? Buch oder Hörbuch? Denn wirklich ihr Lieben da draussen, hier ist die Übersetzung so gelungen, dass ich als alte Verfechterin von Original-um-jeden-Preis ins Zweifeln gerate. Und dann noch die Hörbuchfassung, gelesen von einem phantastischen Martin Baltscheit, die so kurzweilig und von solcher Brillianz, dass mir die Worte fehlen. 


Ich glaube, ich werde zunächst die Worte des Autors sprechen lassen, denn dann wird vieles klar:

Hier ist eine Geschichte,
ein unglaubliches Stück.
Bevor es losgeht, lehn dich zurück.
Hol dir eine Decke,
ein kuschliges Kissen.
Mach's dir bequem.
Den Kakao nicht vergessen?
Ich warn dich natürlich, bevor wir beginnen:
Grusel und Spannung werden hier walten,
Gefahr und Schrecken und knappes Entrinnen,
böse Geschöpfe, Horrorgestalten.
Drachen und Monster, üble Gorgonen,
Wesen, bei denen der Mutigste zuckt.
Entlegene Orte, wo Schurken wohnen.
(Häuser, vor denen dir der Atem stockt.)
Drum fass dir ein Herz, nimm all deinen Mut.
Die Geschichte beginnt, sei auf der Hut...

(Robert Paul Weston: Zorgamazoo)

Ein Roman in Versen! Ein riesiges, 285 Seiten oder 30.000 Wörter langes Gedicht! Ein spannendes, lustiges, abenteuerliches, gruseliges Gedicht, bei dem alle Erinnerung an Schulstunden mit muffigen Versen in weite, weiteste Ferne rücken. Ein Gedicht bei dem man lauthals lacht und mitfiebert, wie man es noch nie getan hat... 


Was soll ich da noch sagen? Auftrag an alle: Sofort besorgen!! 

Donnerstag, 2. Mai 2013

Monatsrückblick April 2013


Meine Maiempfehlung!
Gelesen:Ich bin Bibliothekarin, die Frage erübrigt sich daher...
Gesungen: Jaaa!! Viele alte und neue Kinderlieder aus dem wirklich toll zusammengestellten (und interpretierten) Buch: "Herzlichen Glückwunsch kleines Huhn" (eine heisser Tipp!!)
Gehört: Wie mein weltbestes Kind von Tag zu Tag mehr Wörter sprechen kann...
Gesehen: Mein liebstes, mein schönstes, mein bestes Wien...
Getrunken: Die ganze Grey-Familie rauf und runter: Lady, Earl und Sunshine Grey
Gegessen: viel selbstgemachtes Müsli, das ist ja sooo lecker (und einfach - Post folgt, wenn ich es mal schaffe Fotos zu machen bevor es aufgefuttert ist...)
Gekocht: Mangoldquiche z.B., die hat geschmeckt! 
Gefreut: Nach Wien zu reisen, um dort aufzutanken (und zu essen...)
Gelacht: Tränen bei den neuesten Folgen von "The Big Bang Theory"
Geärgert: Über gelegentliches "im-Stau-Stehen" und den schleppenden Frühlingsbeginn
Genäht: ich glaube ich habe Babette diesen Monat gar nicht ausgepackt...!
Gestrickt: kannichimmernochnicht
Gekauft: Im Brocki eine noch nicht in der Memorysammlung befindliche Ausgabe von "Gemischtes Doppel" fürn Appel undn Ei - jetzt können wir mit 72 Paaren spielen wooaahhhh!!!
Gespielt: Das neue Memory noch nicht, dafür aber mehrmals täglich "guck-guck" und "wo ist das Baby??"
Gefeiert: Den Geburtstag vom allerliebsten Michael im Kreise von 120 ganz ganz tollen Menschen aus aller Welt!
Gefühlt: So langsam nach 4 Monaten den Eindruck, im neuen Job angekommen zu sein. 

Es gibt Nachwuchs in der Memorysammlung!

Mehr schöne Rückblicke gibt's wie immer hier!

Montag, 18. März 2013

Das leuchtende Kinderbuch: Hervé Tullet: The Game in the Dark

Ein Buch, das leuchtet!!

Und das ganz ohne Batterien. Mit der guten, alten Leuchtfarbe hat einer meiner derzeitigen Helden der Kinderbuchwelt ein fantastisches Buch geschaffen.
"The Game in the Dark" sind 10 Seiten ohne einen einzigen Buchstaben, ohne -zunächst sichtbare- Illustrationen, aber mit so vielen Geschichten! Denn wenn das Licht ausgeht, dann hat es ein bisschen was von Planetarium. Die Seiten sind voll mit Mustern, Planeten, Streifen, Kreisen, Tropfen, Formen, Schatten... und daraus wiederum können Geschichten entstehen von fremden Welten und unbekannten Abenteuern...

Kann es was Schöneres geben?!?

Angeblich ist das Buch ab 3 Jahren, mein Lieblingsbaby ist gerade mal halb so alt und findet es sehr toll. Ich lasse sie einfach nicht am Buch lutschen, dann besteht weder gesundheitlich noch pädagogisch eine große Gefahr.
Eine wirklich phantastische Idee. Und mein Kind lernt  auch 21. Jahrhundert noch, dass unter der Bettdecke mit der Taschenlampe "lesen" sooo toll sein kann.

Donnerstag, 14. März 2013

Buchtipp: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Ich fühle mich gerade sehr erwachsen. Nicht so sehr deshalb, weil ich verheiratet bin, eine Kind habe und Steuern zahle. Vielmehr, weil ich seit langem mal wieder einen Roman für Erwachsene gelesen habe. Das mag natürlich auch damit zusammenhängen, dass ich eine neue Stelle angetreten habe, in der die Jugendbücher in der Minderheit sind. Aber trotzdem. In den letzten 4 Jahren habe ich fast ausschliesslich Jugend- und Kinderbücher gelesen. Es war eine nette Abwechslung. So nett sogar, dass ich sie weiterempfehlen möchte!
Vor Kurzem ist mir per Zufall ein Neuzugang in die Hände gefallen, (schön oder, wenn eine Bibliothekarin mal zufällig über ein Buch stolpert. Der geneigte Blogleser wird sich fragen "Was macht die eigentlich den ganzen Tag da in der Bib, hmmm?") der mich so sehr gefesselt hat, dass ich ihn unter starker Vernachlässigung des eigenen Kindes innerhalb von drei Tagen gelesen hatte. (Keine Sorge, der Vater hat die umfassende Versorgung des Kindes gerne übernommen. Es geht beiden den Umständen entsprechend sehr gut.)
Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse von Thomas Meyer. Schon allein der Titel brachte mich zum Schmunzeln. Und nach dem Lesen der ersten Seite hatte mich der Herr Meyer im jüdischen Zürich gefangen. Besonders gefiel mir die Sprache, eine gekonnte Mischung aus Deutsch und Jiddisch, auch für all diejenigen zu verstehen, die bisher noch nie in Kontakt mit dieser Sprache gekommen sind. Für ganz Unsichere hat es am Schluss einen Glossar zum Nachschauen. Wobei es den meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Da ich während des Studiums Jiddisch gelernt hatte, hab ich mich sehr wohl gefühlt und soviel Vergessenes kam wieder hervor, Erinnerungen wurden wach.
Die Themen: Glaube &Tradition, Erwachsenwerden & Ablösung sind per se nicht sonderlich originell. Die Story vom Studenten Mordechai, genannt Motti, der sich dem Verheiratungswahn seiner Mutter nicht brav und kampflos hingibt und darüber seinen Glauben und sein Weltbild in Frage stellt ist ebenfalls nichts Neues, aber die Umsetzung ist ihm wie ich finde sehr sympathisch geglückt. Die Figuren kommen direkt aus dem wahren Leben, Motti erinnert einen manchmal dennoch ein wenig an einen modernen Rain-Man, wie er so unschuldig und naiv durchs Alltagszürich stolpert. Ich hatte ihn schnell ins Herz geschlossen. Gegen Ende wird die Story ein kleines bisschen langatmig, der Schluss war mir dann aber wiederum zu plötzlich. Jetzt vermisse ich Motti und möchte doch gern wissen, wie er die Situation bewältigt, in die er sich da hineinmanövriert hat. Ob der Herr Meyer selbst die Antwort kennt?
Eine herzliche, herrliche Empfehlung für denjenigen, der eine schöne, herzerwärmende, kurzweilige Lektüre sucht. Achtung: Manchmal muss man auch laut lachen, also vorsicht beim Lesen in der (schweizer) Bahn. 

Samstag, 9. März 2013

Backbuch: Der große Lafer Backen

Vorneweg dies: Ich bin kein großer Fan von Johann Lafer, beleibe nicht. Ich hab auch nichts gegen ihn, aber irgendwie kann ich ihm nicht so richtig viel abgewinnen. Ich kann nicht mal genau artikulieren woran es eigentlich liegt. Vielleicht an seiner gefühlten Omnipräsenz im Fernsehen, in/auf Kochbüchern, im Supermarkt und auf meinem Rührblitz? Ich habe noch nie ein Kochbuch auch nur in Händen gehalten, geschweige denn reingeschaut, welches irgendwie mit Herrn L. zusammenhängt.
Nichtsdestotrotz bin ich in schiere Extase ausgebrochen, als ich vor Weihnachten bei einem GU-Gewinnspiel Der große Lafer backen gewonnen habe. (Schliesslich gewinnen sonst immer nur die anderen.) Wo die guten Leute bei Gräfe und Unzer der große draufschreiben, da untertreiben sie nicht. Mein lieber Schwan, zweieinhalb Kilo Rezepte! Und dann diese schönen, ganzseitigen Fotos, die in dem Riesenformat natürlich richtig zur Geltung kommen und dabei auch noch wie Essen aussehen, nicht wie Kleinkunst- also auf den ersten Blick wurde meine skeptische Person schon ein wenig beeindruckt. 

Bildrechte: Gräfe und Unzer
Aber im Back- wie im Kochbuch geht es ja nicht nur um schöne Bildchen und ein großes Format, auf die inneren Werte kommt es an. Und da muss ich nun trotz aller Gleichgültigkeit gegenüber Herrn Lafer meinen Respekt ausdrücken. Denn backen, das kann er, der Johann! 
Der Untertitel des Buches lautet: 60 beliebte Back-Klassiker und wie man sie genial variiert. Und auch da wurde zur Abwechslung nichts Falsches versprochen. Denn seine Variationen der verschiedenen Backklassiker sind wirklich phantastisch und machen dieses Buch für mich so super. Denn nicht nur hat man gute, gelingsichere Basisrezepte, die man immer braucht, man kriegt noch Variationsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. So gibt es zum Beispiel neben der exakten Anleitung für Rosinenschnecken, die ich sehr liebe auch noch Abwandlungen für Nuss-; Pflaumen- und Mohnschnecken.
(Und plötzlich stehe ich vor dem Dilemma, was ich eigentlich zuerst backen will, denn das sieht alles soooo lecker aus...) Die sehr klaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen hätte es für mich nicht gebraucht, aber der ein oder andere Backneuling ist sicherlich froh drum. Ich habe unterdessen fünf andere Backbücher zum Teufel gejagt, denn das macht so schnell keiner besser:
Lieber Johann, ich ziehe meinen mehlbestaubten Hut vor diesem Meisterwerk, Du hast es einfach drauf!

Und dem Team bei GU sage ich noch einmal herzlich danke! 

Montag, 4. März 2013

Sendepausenende

Ui, ui, ui, war das aber eine lange Sendepause. Unfassbar. Fast auf den Tag genau vier Monate.
 Was dabei alles passiert ist: erster Kindergeburtstag, Weihnachten, Silvester, Jobwechsel, die ersten Schritte und vor allem: die erste richtige Krankheitswelle hat uns umspült. Von 1. Dezember an waren wir reihum, manchmal aber auch schön einer nach dem nächsten, krank. Die Bazillen aus der Kita sind im Gänsemarsch durch unsere Familie schwadroniert und haben sich die Klinke in die Hand gegeben. Offenbar hat sich unter Bazillens schnell rumgesprochen, dass es sich bei Marmeladenherzens derzeit hervorragend und effektiv wüten lässt und somit war die Adventszeit, und ehrlicherweise auch Weihnachten, eigentlich dahin. 
Immerhin hatten wir es ab Mitte Januar geschafft, als überall anders die große Welle kam. Sei es drum, ich gelobe hiermit, wieder mehr zu schreiben, großes Bloggerehrenwort. Und dabei lieber öfter mal kurz und knackig als selten und dann mit einem Anspruch an Form und Vollständigkeit, den ich derzeit nicht erfüllen kann. 
Immerhin darf ich an dieser Stelle vermelden, dass das wichtigste fehlende Möbelstück im Hause, das Bücherregal, endlich angeschafft wurde!! Das war wieder so typisch ich: Erst 15 Monate suchen und sich nicht entscheiden können und dann innerhalb von 16 Stunden eins gesehen, für gut befunden und gekauft. Es hat nochmal zwei Tage gedauert bis der Aufbau komplett war.... aber dann gings ans Auspacken! Wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen, so schön war das. Und nun steht es und erfreut groß und klein. Und ich kann endlich wieder Bücher kaufen, hatte ich mir doch ein strenges Bücheranschaffungsverbot auferlegt. Hurra!
(Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb es plötzlich so schnell ging...)


Montag, 5. November 2012

Wunderbare Winter-Küchen-Bücher

Wenn jetzt die Winterzeit so richtig anfängt und sich damit der Herbst auch schon wieder dem Ende zuneigt, bin ich bereit. Zumindest, was das Winterkochen angeht. Habe ich doch zufällig zwei wunderbare Bücher zu diesem Thema gefunden. Das erste habe ich mir bei meinem letzten Kurzbesuch in der Bibliothek ausgeliehen, als ich eigentlich nur schnell die letzten Bücher zurückbringen wollte. (Anmerkung: Ich bin nach knapp 30 Minuten und kurz vor Ablauf meiner Parkuhr mit NEUN Büchern mit einem -gefühlten- Gesamtgewicht von 20 kg wieder nach Hause gefahren...*seufz*). 

Bildrechte: Christian Verlag
Ich habe -zugegeben- noch nichts daraus gekocht oder gebacken (es gibt auch ein paar Backrezepte) und deshalb finde ich es etwas vermessen, das Buch schon weiter zu empfehlen. Ich hoffe aber in Anbetracht der Vielzahl der großartigen Rezepte auf einen langen, harten Winter. Und sobald ich etwas aus dem Buch gekocht habe, werde ich vom Ergebnis berichten. Das Winterkochbuch - 120 Rezepte, die Leib und Seele wärmen von Jane Lawson heisst im Original Snowflakes and Schnapps, was ich tatsächlich den viel schöneren Kochbuchtitel finde. Das Buch ist nicht mehr brandneu, es ist von 2009 und nach dem Motto "weniger ist mehr", besticht es durch seine schlichte Aufmachung und schönen, ganzseitigen, manchmal sogar doppelseitigen Fotos. In vier Kapiteln: "Gegen den Winterblues", "Was uns wärmt", "Im Luxus schwelgen" und "Fein und festlich tafeln" werden tolle Rezepte von kleinen Snacks (z.B. knusprig gebratene Sandwiches, S.46)  bis hin zu Getränken  (z.B. Honig-Safran-Likör, S.87) vorgestellt. Manche Rezepte sind raffinierte Abwandlungen von alten Bekannten (z.B. Erbsensuppe mit geräucherter Schweinshaxe, S. 36), andere sind mir ganz und gar neu (z.B. Lakritzcreme mit Pflaumen und Kokos-Limetten-Makronen, S. 221). Beim Durchblättern kommt man aus dem Oohhh und Aahhhh und Mmhhh gar nicht mehr heraus! Die Rezepte sind gut beschrieben und oft wie man an den Beispielen schon sieht, mehrteilig. Daher würde ich von mehr als 120 Rezepten sprechen, die in diesem Buch vereint sind. 

Panettone mit schmelzender Marshmallow-Schoko-Füllung,
muss ich noch mehr sagen?!?
Bildrechte: Dumont Verlag
Beim zweiten Buch kann ich zwar auch nicht behaupten, ich hätte was daraus gekocht, aber immerhin gehört es mir. Ich habe es in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt und mich sofort total verliebt. Ich habe es aber, weil ich ich bin, nicht sofort gekauft und dann tagelang gebangt, ob es wohl noch da sein würde (denn das ist eine dieser Buchhandlungen, die nicht alles noch zig Mal auf Lager haben...)  Und dann hat es mir mein lieber Papa gekauft. Home Made Winter von Yvette van Boven ist genau meine Kragenweite. Eine bunte, fröhliche Mischung mit lebendigen Fotos ohne Schnickschnack. Rezepte aus Irland, Frankreich, Holland und allem was dazwischen und drumrum liegt und bei allem schwingt immer ganz viel Spaß, Herz und die Liebe am Kochen mit. Was ich auch gern mag sind Variationsmöglichkeiten, die sie bei vielen Rezepten gleich mit aufzeigt. Und manchmal gibt es auch anstatt eines dahingeschriebenen Rezeptes anschauliche Zeichnungen.

Salat mit Feigen, Brunnenkresse, Rauchfleisch, Minze & einem Dressing
aus Ziegenjoghurt. 
Zudem gibt es neben den Koch- & Backrezepten auch noch echte Anleitungen, die den Titel "Home Made" rechtfertigen z.B. Ochsenwurst, S. 102, Apfelwein S. 86, Grapefruit-Limetten-Curd S. 27, Butter, Joghurt in Variationen, etc...)
Auch in diesem Fall macht das Buch so viel Lust sich in die Küche zu werfen, dass man sich überlegen könnte doch wieder in ein Land zu ziehen, in der der Winter sechs oder mehr Monate dauert. Was freue ich mich schon aufs Ausprobieren! Das Buch ist im Unterschied zum erstgenannten brandneu und im Dumont Verlag erschienen.  Und es gilt dasselbe wie für das Winterkochbuch: Sobald es erste Ergebnisse gibt, werde ich berichten. 
Jetzt hoffe ich, dass in Anbetracht dieser vielen Leckereien die Vorfreude auf die kalte Jahreszeit ein wenig gestiegen ist!

Sonntag, 22. Juli 2012

Wieder lesen! Marcelo in the Real World

Endlich komme ich mal wieder dazu, ein Buch zu empfehlen. Denn endlich kam ich mal wieder dazu, ein Buch zu lesen. Und das in nur zwei Tagen! Dies wohlgemerkt ohne dabei mein Kind übermäßig zu vernachlässigen. ;-) Und es war schön! Ich war total gefangen. Ein richtiges Wohlfühlbuch. Ich habe es in meiner Bib gefunden, es ist eines von den Titeln die neu dazugekommen sind, während ich weg war. Ursprünglich habe ich es mitgenommen, da der Protagonist Asperger Syndrom hat und ich im letzten Schuljahr einen Jungen mit AS betreut habe. Ausserdem hat mich das Cover angesprochen, ich gebs ja gern zu. 

Bildrechte: Fischer Verlag
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen, die ca. 360 Seiten waren schnell gelesen. Es war viel mehr als nur ein hilfreicher Einblick in das Denken und Fühlen einer Person innerhalb des Autismus-Spektrums. Es ist eine Geschichte über Selbstständigkeit & Selbstbestimmung, Recht & Unrecht, Glauben & Freundschaft, Kriminalität & Liebe. Und das alles in nur einem Buch. Die Story hat ein gutes Tempo; Es hatte kaum Längen, lediglich die beiden Passagen in denen der Glaube besprochen wird, könnten sich für den ein oder anderen lang anfühlen. 

Der siebzehnjährige Marcelo, der eine Form des Asperger Syndroms hat, wird vom Vater  gezwungen, während der dreimonatigen Sommerferien aus seinem bisher bekannten, geschützten Umfeld heraus in die wahre Welt zu gehen, indem er in dessen Kanzlei in der Poststelle jobbt. Dabei lernt Marcelo nicht nur sehr viel über die wirkliche Welt und normale Menschen, er lernt auch sehr viel über sich selbst und wird mit einer großen Herausforderung konfrontiert. Das Thema AS wird dabei nicht in Klischees abgehandelt und auch wenn auf dem Umschlag vom neuen "Rain Man" die Rede ist, so erinnerte mich Marcelo mehr an meinen Schützling, der einfach eine andere Perspektive der Dinge hat. Es wird auch nicht darauf herumgeritten: Marcelos Anderssein, das zu Anfang das zentrale Thema ist, tritt während des Romans immer mehr in den Hintergrund, wird aber nie ganz ausgeblendet.

Die Geschichte wird aus der Sicht Marcelos erzählt. Die Sprache ist verständlich, sehr schön sind die Unterschiede zwischen der Sprache Marcelos und der der Normalen herausgearbeitet. Die Stimmungen werden beschrieben, soweit dies Marcelos eben möglich ist. Es ist mir nicht schwer gefallen, mich einzufühlen. Die Story wirkt nicht an den Haaren herbeigezogen, auch wenn manche Figuren (die Bösen) etwas zu stereotyp daherkommen mögen. Das Ende ist allerdings so nicht vorhersehbar.

Der Roman ist ein Entwicklungsroman und am Ende bleiben noch Fragen offen, trotzdem ist das Buch ein echter Tipp. Ich würde es für Erwachsene und Jugendliche ab ca. 15 Jahren empfehlen, Jungen wie Mädchen, die allerdings ein wenig grundsätzliches Interesse oder zumindest eine Offenheit dem Thema "Autismus/Asperger Syndrom" entgegenbringen. Ich könnte es mir sogar gut als Klassenlektüre vorstellen, da es auch viel Gesprächsstoff liefert: 10./11. Klasse so etwa.
Ich frage mich nur ob es so schwierig gewesen wäre, den Titel auf Deutsch zu übersetzen?

Na jedenfalls hoffe ich, dass Marcelo noch viele Fans findet, er tut nämlich gut.